Ex-Gucci-Designer Tom Ford präsentiert sein bildgewaltiges Regiedebüt: Colin Firth mimt einen homosexuellen College-Professor, der nach dem Tod des geliebten Partners seinen Selbstmord plant. Firth wurde für seine Leistung beim Filmfest Venedig und bei den British Academy Awards ausgezeichnet.
Filmszene aus "A Single Man" Foto: Senator
Der britische Professor George Falconer (Colin Firth) ist eine rhetorische Koryphäe, ein unnahbarer Typ. Im College wird über seine Homosexualität nicht gesprochen, bei Kollegen und Studenten gilt er als Autorität. Nach dem tödlichen Autounfall des geliebten Partners versinkt er innerlich in Trauer und sieht den einzigen Ausweg im Suizid.
Inszenierung des eigenen Todes
Bis aufs kleinste Detail bereitet Falconer das Prozedere "danach" vor, sogar der Hinweis auf den gewünschten "Windsor-Knoten" der Krawatte auf dem Sterbebett und das Geld für die Haushälterin dürfen nicht fehlen. Nichts Auffallendes am geplanten letzten Tag: routinierte Uni-Vorlesung, Aufräumen des Schreibtisches, politische Diskussionen, Plaudereien mit den Nachbarn, folgenlose Begegnung mit einem gut aussehenden Stricher auf dem Supermarktparkplatz, Dinner und dann Whisky-Besäufnis mit seiner alten Freundin Charley (Julianne Moore), während beide in gemeinsamen Erinnerungen schwelgen.
Bildergalerie zu "A Single Man"
Galerie PiktogrammEinziger Ausweg: Suizid
Filmszene aus "A Single Man" Foto: Senator
Nach dem Tod seines Lebenspartners versucht der britische College-Professor George Falconer (Colin Firth) Haltung zu bewahren. Doch letztlich sieht er nur noch einen Ausweg: Er will Selbstmord begehen.
Verzweiflung und Hoffnung
Während Charley die Contenance verliert und trotz seiner bekannten sexuellen Neigungen bedauert, dass er nie ein normales Eheleben mit ihr führen wollte, wirkt er trotz seelischer Verletzungen fest wie ein Fels in der Brandung, versteckt seine Verzweiflung und Einsamkeit hinter der intellektuellen Fassade, versucht, das Gleichgewicht zwischen Vernunft und Gefühl zu halten. Als ein junger Student kurz danach diese Starre aufbricht und den Geschmack des Älteren am Leben neu erweckt, flackert für einen kurzen Moment Hoffnung auf.
Stilistisch und darstellerisch eindrucksvolles Kino
Filmszene aus "A Single Man" Foto: Senator Bild gross Der britische Professor versucht, Haltung zu bewahren
Auf den ersten Blick wirken die Bilder von "A Single Man" wie aus einem Lifestyle-Katalog: kühl und arrangiert. Aber unter der glatten Oberfläche brodeln Emotionen. Ex-Gucci-Designer Tom Ford überrascht in seinem Erstlingswerk mit einem bewegenden Melodram, angesiedelt im Los Angeles des Jahres 1962, das vor allem durch Colin Firth in der Hauptrolle seine Kraft zieht. Firth verkörpert den homosexuellen Literaturprofessor mit minimalen Mitteln als eine Figur an den Sollbruchstellen des Lebens - es ist eine außergewöhnliche Performance. Basierend auf dem Roman von Christopher Isherwood folgt Regisseur Ford den Aktivitäten des 52-jährigen Wissenschaftlers wie beiläufig. Eine herausragende Stilisierung und Ästhetisierung unterstreichen in diesem sanften Porträt die Verlorenheit eines Menschen ohne Erdung, der aus Angst vor Nähe Distanz aufbaut. Eine aus eigenen Erfahrungen gespeiste und sehr persönliche Reflexion über spirituelle Krise, Schattenseiten von materiellem und beruflichem Erfolg und die damit einhergehende psychische Zerrissenheit und Leere eines "Single Man".